| Dienstag, den 03. Januar 2012 um 01:09 Uhr |
| Roberts trifft Bayreuth ins Herz |
| Von Felix Pflaum (Foto: Sebastian Hader) |
![]() Berechtigte Hoffnungen auf den ersten Derbysieg durfte sich der Großteil der 4.000 Zuschauer in der ausverkauften Bayreuther Oberfrankenhalle machen, der dem Gastgeber BBC Bayreuth die Daumen drückte. Jubeln konnte aber am Ende der Bamberger Anhang, weil Brian Roberts von den Brose Baskets endlich wieder einmal seine bekannte Kaltschnäuzigkeit unter Beweis stellte und drei Sekunden vor dem Ende zum 66:68 (37:36) aus Sicht der Wagnerstädter einnetzte. „Bamberg ist eine erfahrene Mannschaft, die auch unter großem Druck ruhig bleibt und sich so weniger Denkfehler geleistet hat als wir. Wir sind in dem, was wir tun, noch nicht so konsistent wie wir sein müssten, um so ein Spiel am Ende zu gewinnen“, räumte ein trotz der starken Vorstellung seines Teams ob der Niederlage trauriger Marco van den Berg ein, verpasste es aber nicht, dem Nachbarn seine Glückwünsche zukommen zu lassen: „Ich gratuliere Chris und seinem Team nicht nur zum heutigen Sieg, sondern auch generell. Sie betreiben seit mindestens zwei Jahren Werbung für den deutschen Basketball, ich durfte ihren Sieg gegen den amtierenden Euroleague-Champion live sehen, ihre Leistungen verdienen Respekt.“ Auch seine Mannschaft, zu Saisonbeginn unter anderer Führung noch konfus und seitdem gerade zuhause im positiven Sinne kaum wiedererkennbar, verdiente sich jedoch Anerkennung, wie sie alles versuchte, dem großen oberfränkischen Nachbarn die dritte Saisonniederlage beizubringen. Bayreuth wacher und physischer 8:7 lautete dabei die Schlüsselaussage der ersten Hälfte, die Zahl der eingesammelten Rebounds unter dem Bamberger Korb unterstrich statistisch, was auf dem Feld deutlich zu sehen war. Bayreuth – der anfängliche 2:12-Rückstand gehörte nach einer Auszeit schnell der Vergangenheit an – konnte sich in der gegnerischen Zone acht zweite Chancen erarbeiten und beim Stand von 32:21 einen fulminanten 30:9-Lauf abschließen. Bamberg fiel gegen den physischeren und präsenteren Gegner nichts ein, Einzelaktionen wie von Julius Jenkins – der zweifache MVP lieferte eine indiskutable Leistung ab – verpufften gegen einen wie im Rausch spielenden Gastgeber. Während die Brose Baskets nach Würfen die Schiedsrichter Unger, Lauprecht, Neubecker ins Blickfeld nahmen, hatte der BBC das Spielgerät im Blick und sicherte sich ein ums andere Mal die freien Bälle. Fleming: Haben trotz Schwierigkeiten einen Weg gefunden „Bei einer Stimmung wie sie heute hier geherrscht hat, ist immer alles möglich. Wir hatten großen Respekt vor Bayreuth und sie taten das, was sie zuhause zuletzt immer taten: Sie warfen gut, bewegten den Ball schnell und spielten zusammen. Ich bin stolz auf unsere Spieler, wie sie an einem offensiv schwachen Abend Wege fanden, das Spiel zu gewinnen. Nach der Pause bekam Bayreuth nur noch einen Offensivrebound, wir haben bei freien Bällen zugepackt und Roberts schließlich den wichtigen Wurf versenkt“, analysierte Chris Fleming erleichtert, auch das dritte holprige Spiel für sich entschieden und die Tabellenführung gefestigt zu haben, während Erzrivale Berlin zum dritten Mal in Serie Federn ließ. Zwar sind die Baustellen in seiner Mannschaft nicht zu übersehen, dennoch ist die rein zahlenmäßige Bilanz vor den beiden letzten Duellen der Hinrunde gegen Oldenburg und München mit 13:2-Siegen nahe am Optimum. Offener Schlagabtausch mit Bamberger Happy-End Ein Bamberger Zwischenspurt in den letzten vier Minuten der ersten Hälfte bis zum 37:36-Halbzeitstand ebnete den Weg für eine umkämpfte zweite Derby-Halbzeit. Bamberg ging zunächst in Führung, konnte aber anschließend über acht Minuten lang keinen Feldkorb erzielen. Fast schon komisch wirkten die völlig verzogenen Dreierversuche, die man aus allen passenden und unpassenden Situationen fliegen ließ, während der BBC sich eine 45:43-Führung erarbeitete, ehe Predrag Suput die Faxen dicke hatte und seinerseits aufdrehte. Bamberg hatte beim 53:57 und später bei 59:66 die Möglichkeit, das Spiel mit weiteren Zählern an sich zu reißen, fand aber keine Lösung, so dass Bayreuth über zwei seiner Besten, Jeanty und Wyrick, zum Ausgleich kam. Roberts nahm sich ein Herz und traf, beim Einwurf störte Gavel entscheidend, so dass nur noch ein Verzweiflungswurf aus der eigenen Hälfte möglich war, der sein Ziel verfehlte. „Wir wollten Roberts dazu zwingen, den Ball zu passen. Dass er ihn so leicht wieder bekam, ist unseren Fehlern geschuldet, für die wir bezahlt haben“, ärgerte sich van den Berg über den Moment, da der BBC ausgeknockt wurde. BBC Bayreuth: Jeanty (12), Hunter (10), Wyrick (10), Stokes (8), Gibson (7), Schmidt (7), Smith (4), Ibekwe (2), Shtein Brose Baskets: Suput (16), Tucker (15), Roberts (11), Jacobsen (9), Gavel (8), Slaughter (5), Pleiß (4), Jenkins, Tadda Ausführliches Scouting |