Sonntag, den 04. Dezember 2011 um 21:18 Uhr
Platz an der Sonne vorerst zurückerobert
Von Felix Pflaum (Foto: Sebastian Hader)   


Dem Frohlocken der restlichen Liga hinsichtlich der Verwundbarkeit des zweifachen Doublesiegers haben die Brose Baskets am zweiten Advent eine deutliche Antwort gegeben. 92:76 (51:36) besiegten sie die zuvor acht Spiele in Serie ungeschlagenen Artland Dragons und kehrten damit aufgrund des besseren direkten Vergleichs gegenüber Ulm und einem Spiel Vorsprung gegenüber Berlin an die Tabellenspitze zurück.


35 Heimspiele in Serie gegen deutsche Mannschaften hatten die Oberfranken nicht verloren, zu Beginn schienen die Artland Dragons aber durchaus imstande, diese Serie in der 36. Partie zu beenden. Während sonst das erste Viertel in eigener Halle oft das Filetstück der Bamberger Vorstellung ist, verliefen die ersten zehn Minuten diesmal recht ausgeglichen. Fahrt nahm der zuletzt in vier Pflichtspielen nicht siegreiche Meister dann aber umso mehr im zweiten Viertel auf. 29:16 entschied man diesen Abschnitt, angeführt von einem am eigenen Brett alles abräumenden Marcus Slaughter, für sich. Auch ein immer wieder entschlossen den Korb attackierender Julius Jenkins, der endlich auf seine unrühmlichen Sprungwürfe knapp innerhalb der Dreierlinie verzichtete, trug seinen Teil zu einer starken Teamleistung bei.

Artländer Zonenverteidigung zog nicht


Quakenbrück hingegen fehlten die Antworten, wenn es nicht gelang, aus dem Duell Eins-gegen-Eins zu Punkten zu kommen. Konnte man Bambergs Abwehr anfangs durch gutes Spacing noch weit genug auseinanderziehen, stellten die Oberfranken sich im Laufe der Partie immer besser darauf ein. Auch die Zonenverteidigung, mit der Stefan Koch nach dem ersten zweistelligen Rückstand der Begegnung ab der 16. Minute aufwartete, konnte den Fluss nicht stören. Erst flog Tucker brachial über die Grundlinie zum Dunking ein, dann traf Jenkins für drei und Tadda schloss nach einem Ballgewinn unbedrängt im Fastbreak ab. Wie ein taumelnder Boxer retteten sich die Gäste mit 15 Punkten Rückstand in die Halbzeitpause.

Holston meist gut abgemeldet

Einem deutlich gefestigteren Gegner standen die Franken nach der Pause gegenüber, besonders der ansonsten gut bei Gavel aufgehobene Holston trumpfte nun mit einigen Dreiern in Serie auf, benötigte für seine 17 Punkte am Ende aber ebenso viele Wurfversuche. Eine echte Entlastung für ihn konnten weder der blasse Hilliard noch der gefrustete Strasser noch der fast unsichtbare Jeretin bringen, so dass die durchaus starken Brettspieler Fenn, King und Peavy phasenweise in der Luft hingen.

Bamberg hingegen lieferte eine sehr homogene Mannschaftsleistung auf beiden Seiten des Feldes ab, besonders Tucker mit erneut viel Energie und den emotionalen Momenten im Spiel, Jenkins mit deutlich besserer Wurfauswahl und Gavel, der trotz nur zweier Würfe das Geschehen auf dem Feld kontrollierte, verdienten sich neben Slaughter ein Sonderlob.

Stimmen zum Spiel:

Stefan Koch (Headcoach Artland Dragons): „Glückwunsch an Bamberg, es war ein absolut verdienter Sieg, weil sie in allen Belangen die bessere Mannschaft waren. Uns haben Spieler gefehlt, das war aber kein Faktor, vielmehr müssen unsere jungen Spieler sich an dieses Niveau gewöhnen, das Bamberg in vielen Bereichen aufs Parkett bringt. Im November haben wir zwar alle acht Spiele gewonnen, das war aber ein anderes Niveau. Wir haben – vor allem defensiv – noch viel Arbeit vor uns, um eine bessere Mannschaft zu werden.“

Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets):
„Nachdem es zwei Wochen wenig zu feiern gab, sind wir heute natürlich sehr zufrieden. Das Verhalten bei Rebounds und freien Bällen, aber auch unsere Ballbewegung waren wesentlich verbessert. In die Verteidigung gegen Holston haben wir viel investiert, dass er trotzdem einige schwere Dinger treffen konnte, zeigt, warum er der effektivste Spieler der Liga ist. Es war das mit weitem Abstand wichtigste Spiel der Saison für uns heute, das Ergebnis war wichtig und nötig auch im Hinblick auf die Partie in Malaga am Donnerstag, wo es um den dritten Platz in der Gruppe geht. P.J. Tucker muss die Rolle spielen, die er heute ausgefüllt hat, damit wir vorwärts kommen, diese Energie erwarten wir uns von ihm. Predrag Suput hat Knieprobleme und seit Donnerstag nicht trainiert, heute haben wir es mit ihm versucht, aber entschieden, ihn zu schonen, nachdem er in seinen Minuten nicht effektiv sein konnte.“

Brose Baskets: Jenkins (18), Roberts (17), Tucker (17), Jacobsen (14), Slaughter (10), Pleiß (9), Gavel (5), Tadda (2), Suput
Artland Dragons: Fenn (17), Holston (17), Peavy (13), King (10), Strasser (9), Hilliard (6), Grünheid (2), Njei (2), Jeretin
Ausführliches Scouting