Donnerstag, den 01. Dezember 2011 um 01:23 Uhr
Knapp vorbei ist auch daneben
Von Felix Pflaum (Foto: Sebastian Hader)   


Sport ist oft nicht gerecht, die Geschehnisse aber sind meist folgerichtig. Als Milos Teodosic kurz vor Schluss hochstieg und zum Dreier ansetzte, überraschte es daher kaum jemanden in der ausverkauften Bamberger Arena, dass die unter Bedrängnis abgefeuerte Kugel im Korb einschlug und damit die Partie zwischen den Brose Baskets und ZSKA Moskau zugunsten der Gäste entschied. 78:81 (37:44) lautete der Endstand.


Ausgerechnet Teodosic, der sich mit seiner Theatralik und Fallsucht zuvor zum Buhmann der Bamberger Fans gemacht hatte, war es vergönnt, an diesem großartigen Europapokalabend den Schlusspunkt zu setzen. Letztlich hatten die Domstädter aber zuvor eine ganze Reihe von Chancen vertan, es nicht auf diesen Wurf ankommen zu lassen. Weit offene und gut herausgespielte Distanzschüsse vergab man reihenweise, dass trotz einer Quote von 3/18 von “downtown“ die Partie bis zum Ende offen blieb, lag am Einsatz und Willen, den die zuvor dreimal unterlegenen Bamberger bei der Rückkehr vors eigene Publikum an den Tag legten. Marcus Slaughter wurde zum Turm in der Schlacht, zeigte ungekannte Qualitäten im Spiel mit dem Rücken zum Korb und auch P.J. Tucker ließ mit tollen Szenen auf beiden Seiten des Feldes durchscheinen, was man sich von seiner Verpflichtung versprochen hatte.

Dreier wollten nicht fallen

60 Prozent Trefferquote aus dem Zweierbereich, diszipliniertes Auftreten mit insgesamt nur acht Ballverlusten und eine mit wenigen Ausnahmen hochklassige Defensivleistung ließen die blutleeren und oft uninspirierten Auftritte in Zagreb und Gießen sowie den desaströsen Schlussabschnitt von Berlin beinahe vergessen. Die Wurfleistung jedoch zeugte von einer gewissen Verunsicherung, die mit Ausnahme Gavels offenbar alle Schützen befallen hatte. Besonders im Gedächtnis werden dabei die Szenen bleiben, als Jacobsen beim Stand von 74:75 einen weit offenen Dreier nicht versenken konnte und als Roberts den von allen erwarteten Wurf im letzten Angriff nicht nahm, sondern ein kopfloses Dribbling gegen Khryapa ansetzte, das in einem Ballverlust endete.

Moskau nie um Antworten verlegen

Khryapa untermauerte damit seinen Status als bester Mann auf dem Feld, auch wenn Krstic im eigenen Team und Slaughter für Bamberg sich unter dem Korb nichts schenkten und auf ihre Weise grandiose Leistungen zeigten. Der ehemalige NBA-Spieler und Europameister von 2007 bestach durch das komplette Paket, wobei vor allem seine fünf erfolgreichen Dreierversuche bei 100-prozentiger Trefferquote immer wieder für kurze Momente der ungläubigen Stille in der sonst äußerst stimmungsvollen Halle sorgten, just wenn Bamberg Oberwasser zu bekommen schien. Die Qualität der ZSKA-Spieler wurde sofort erkennbar, wenn Bamberg sich auch nur kleine Fehler erlaubte, ein Höchstmaß an Einsatz schien nötig, damit überhaupt mal ein Akteur des Russischen Meisters verzog. Gerade deshalb wäre es der gerechte Lohn gewesen, wenn die Punkte in Franken geblieben wären. Zum Leidwesen der Brose Baskets jedoch gab es auch zum Schluss die folgerichtige Reaktion einer Klassemannschaft zu sehen.

Stimmen zum Spiel:

Jonas Kazlauskas (Headcoach ZSKA Moskau): „Ich kann das Spiel heute mit dem vergleichen, das wir zum Auftakt in Kaunas zu spielen hatten. Die Halle war so laut, dass ich den Spielern kaum Anweisungen geben konnte. Ich bin glücklich, dass wir in dieser Atmosphäre standgehalten haben. Am Ende hatten wir Foulprobleme und uns unterliefen Ballverluste, aber haben trotz unserer sicheren Position als Gruppenerster mit einem festen Platz unter den TOP16 um den Sieg gekämpft. Für die Zuschauer war es ein tolles Spiel.“

Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets): „Gratulation an unseren Gegner, der das ja in dieser Saison schon öfter gehört hat, aber sicher nicht so oft so hart darum kämpfen musste. Es war bitter, so zu verlieren, weil wir sehr viel investiert haben, aber einfach nicht gut trafen. Wir hatten viele Chancen, das Spiel zu entscheiden, aber Teodosic, der immer fähig ist, das zu tun, hat es am Ende getan. In der Euroleague kannst du verteidigen und kämpfen, wie du willst, am Ende musst du ein paar Dinger versenken. Ich bin glücklich über Slaughter, der heute offensiv so aggressiv wie noch nie in dieser Saison aufgetreten ist, und Tucker, der uns viel Schwung gegeben hat in der zweiten Hälfte. Die Leistung heute müssen wir mit ins Ligaspiel am Wochenende nehmen und dort Selbstvertrauen für das Spiel in Malaga tanken, welches wir hoffentlich für uns entscheiden werden.“

Brose Baskets:
Slaughter (21), Tucker (11), Gavel (10), Jacobsen (9), Suput (9), Jenkins (8), Pleiß (6), Roberts (2), Tadda (2)
ZSKA Moskau: Krstic (20), Khryapa (19), Shved (14), Teodosic (12), Gordon (5), Siskauskas (5), Vorontsevich (4), Mejia
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