Donnerstag, den 03. November 2011 um 23:31 Uhr
Bamberg lernt bittere Lektionen
Von Felix Pflaum (Foto: Sebastian Hader)   


“Ein Viertel dauert zehn Minuten“, “Wer trifft hat recht“ und “Wer die Bretter beherrscht, beherrscht die Spiele“ sind elementarste, schon in der Kreisklasse gültige Basketball-Allgemeinplätze, die man zum Schmerz eines Bamberger Basketball-Fans aber auch auf höchstem europäischem häufig als Axiome anerkennen muss. 78:79 (38:42) lautete eine weitere bittere Wahrheit, nämlich das Endergebnis der Euroleague-Partie zwischen den Brose Baskets und Unicaja Malaga aus Sicht der fränkischen Gastgeber.


Ein einziger Zähler machte am Ende den Unterschied, umso mehr schmerzte es, dass am Ende aller vier Viertel die Spanier das letzte Wort hatten und daraus insgesamt neun Punkte erzielten. In der zehnten Minute schenkte Pleiß einen Rebound am eigenen Brett wieder her, in der 20. setzte Fitch so lange unter dem Bamberger Korb nach, bis er den Ball pünktlich zur Sirene im Korb versenkt hatte, in der 30. schickte Sinanovic seinen ersten Dreierversuch der Saison auf die Reise und fand das Ziel. In der 40. schließlich, quasi als Krönung der Pannenserie, sprang der Ball nach einem Valters-Wurfversuch, dem man das sprichtwörtliche fränkische “Brötla“ hätte hinterher werfen müssen, um ihn auf dem quälend langen Weg Richtung Korb vor dem Hungertod zu bewahren, von der vorderen Ringkante auf den Boden und auf Höhe Freiwurflinie in die Hände des in die Lücke gestarteten Berni Rodriguez.

Letzter Wurf verfehlt sein Ziel

Der fing die Kugel mit links, führte sie mit einer fließenden Bewegung nach rechts und schickte sie im Rückwärtsfallen über Anton Gavel in hohem Bogen – im Falle eines Fehlwurfs hätte man die Aktion wohl als katastrophale Entscheidung tituliert – zurück in Richtung des Bamberger Korbs, wo sie geschmeidig und ohne jede Ringberührung einschlug. Noch einmal hatte Bamberg Gelegenheit zurückzuschlagen, Slaughter bekam den Einwurf, reichte die Kugel an Roberts weiter, den Mann, dem wohl jeder Trainer in solchen Situationen das grüne Licht für den Wurf erteilt hätte. Der Dreierversuch über den langen Zoric war zu weit links angesetzt und sprang ins Feld zurück, die Sirene ertönte und wie schon im November 2010 verließen die Andalusier Bamberg mit einem knappen Sieg im Gepäck.

Veränderte Abwehrstrategie bringt Malaga auf Kurs

Den mussten sie sich zweifellos hart erarbeiten, nachdem sie im ersten Viertel von aus allen Rohren feuernden Brose Baskets um einen in scheinbar ein Stockwerk über allen anderen fliegenden Slaughter und einen omnipräsenten Roberts beim Zwischenstand von 24:13 das Glück hatten, den Bamberger Spielmacher mit zwei dummen Fouls belastet schnell auf der Bank zu wissen. Mit einer Umstellung in der Abwehr und der Besinnung auf Bewährtes im Angriff wie das konsequent gelaufene Pick and Roll drehten sie den Spieß um und entschieden das zweite Viertel mit 20:11 für sich. Einzig der wahnsinnige Dunk Slaughters über den 2,21m-Mann Sinanovic konnte das Publikum in diesem Viertel, dem einzigen von Malaga gewonnenen, von den Sitzen reißen.

X-Faktoren auf beiden Seiten


Zwei einseitigen Vierteln folgte dann aber ein offener Schlagabtausch mit teils unerwarteten Protagonisten. Sinanovic wartete mit wichtigen Punkten für Malaga auf, Bamberg fand überraschend in Karsten Tadda einen Mann für wichtige Würfe. Sieben Punkte, allesamt im letzten Viertel, des gestern 23 Jahre alt gewordenen Gundelsheimers ließen die Franken vom Sieg träumen. 13,3 Sekunden vor Ablauf der Uhr hatte man ihn nach Roberts' Dreier sogar vor Augen, doch dann rächte sich die häufig mangelhafte Reboundeinstellung, die insgesamt 13 abgegriffene Bälle Unicajas am Bamberger Brett ermöglichte. Rodriguez erteilte die bittere Blitzlektion in Basketballweisheiten.

Stimmen zum Spiel:

Chus Mateo (Headcoach Unicaja Malaga):
„Wir haben nervös begonnen und ihren Fastbreak zunächst nicht stoppen können, uns dann aber mit unserer alternativen Verteidigung zurück ins Spiel gekämpft. Zur Halbzeit schien es, als wüssten wir, was zu tun ist, Bamberg ist aber ein gutes Team mit vielen potentiellen Scorern, so dass es in der zweiten Hälfte mit leichten Vorteilen für uns ein sehr enges Spiel wurde. Das Ende war sehr aufregend, wir hatten heute Glück und haben einen wichtigen Sieg gegen ein Team geholt, das meiner Meinung nach am Ende der Runde unter den besten vier stehen wird.“

Chris Fleming (Headcoach Brose Baskets):
„Uns war vorher klar, was wir zu erwarten hatten, welche Qualität Malaga besitzt und wir haben nach dem schwachen Spiel in Moskau diesmal richtig begonnen. Das schwache zweite Viertel hat uns wohl letztlich das Spiel gekostet, unsere defensive Intensität ging verloren und der Ball lief nicht mehr. Ich bin stolz, wie wir nach der Pause einen Weg gefunden haben, um zurückzukommen, obwohl wir nicht unseren besten Basketball gespielt haben. Einige freie Würfe konnten wir nicht verwerten, auf der anderen Seite haben Fitchs Dreier als Antwort auf Karstens Vierpunktspiel und der lange Rebound mit dem Fadeaway Malaga die entscheidenden Punkte gebracht. Den letzten Angriff würde ich immer wieder so spielen, wer Brian Roberts kennt, der weiß, dass er acht von zehn solcher Würfe versenkt.“

Brose Baskets: Slaughter (16), Roberts (16), Gavel (14), Jenkins (14), Jacobsen (7), Tadda (7), Tucker (4), Pleiß
Unicaja Malaga: Freeland (18), Zoric (13), Sinanovic (11), Darden (10), Rodriguez (8), Fitch (7), Valters (7), Garbajosa (3), Rowland (2), Peric
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